von
,



 
Antiker Aufruhr in 50 Seiten
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Das von Sophokles verfasste Zieldrama "Antigone", welches auf den literarischen Gesetzen von Aristoteles basiert, ist der antiken Klassik zuzuordnen. Uraufgeführt etwa 442 v. Chr., prangert es die vom Staat erlassenen Gesetze an, die nicht mit individuellem Denken zu vereinbaren sind. Auch in unserer gegenwärtigen Zeit sind einige politische und moralische Parallelen anhand der Tragödie zu erkennen und machen das Werk zeitlos.

Die selbstbewusste Antigone, Tochter von Tragikfigur Ödipus, ist nicht damit einverstanden, dass König Kreon den Leichnam ihres Bruders Polyneikes unehrenhaft bestatten lässt, sondern ihn mehr oder weniger den Raben als Futter überlässt. Als sie ihrer Schwester Ismene den Plan verlautet, deren toten Bruder aus der bewachten Grube herauszuholen um ihm anschließend würdig die letzte Ehre zu erweisen, lehnt Ismene den Gedanken ab. Sie fürchtet sich vor der Todesstrafe wegen Grabschändung. Doch die mutige Antigone führt ihren Plan konsequent durch und agiert somit gegen den Staat. Es kommt, wie es kommen musste; die tragische Heldin wird von einem Wächter entdeckt. Kreon besteht auf einen sofortigen Prozess gegen die Verlobte seines Sohnes Haimon und es kommt zu einem langen, interessanten Konflikt. Natürlich steht der Hinrichtung von Antigone nichts mehr im Wege... Aber halt! Wer hat denn nun von den beiden richtig gehandelt? Antigone als moralische Siegerin und Gesetzesbrecherin, oder Kreon, der mit seinem staatlich korrekten Handeln gleichzeitig die Gesetze der Götter verletzt? Mit dieser Frage sollen die Leser, bzw. das Theaterpublikum konfrontiert werden und Sophokles hinterlässt mit dieser Aufführung eine zeitlose Katharsis, die auch noch nach 2500 Jahren nicht an Aktualität verloren hat.

"Antigone" ist eines der ,harmlosen' Veröffentlichungen der Reclam-Reihe. Die nur 50 seitige Lektüre erweisen dem Leser ein kurzzeitiges Vergnügen von etwa zwei Stunden. Die recht flüssige Übersetzung aus dem Griechischen trägt ebenfalls zu einem lockeren Zeitvertreib bei, was jedoch nicht heißen soll, das das Werk anspruchslos ist. Die in sich kompakte Handlung übermittelt viele raffinierte Interpretationen, schließlich sorgt der Konflikt zwischen Antigone und Kreon im Domino-Effekt für nahe stehende Personen, wie ihr Verlobter Haimon und Kreons Frau Eurydike, zu erneuten Komplexen. Am Ende gibt es für beide Protagonisten keine Hoffnung mehr und alles fällt tragisch in sich zusammen, da die Figuren nicht die goldene Mitte des Einklangs zwischen Persönlichkeit und Gesetz gefunden haben.

Alles in einem hat das Büchlein mehr herzugeben, wie auf den ersten Blick gedacht. Komplexe Personen, unlösbare Konflikte und eine Handlung, die trotz kurzweiligen Vergnügen zum Nachdenken anregt. Die allseits berühmte, tragische Auseinandersetzung von "Antigone" sollte sich keiner entgehen lassen. Für jede gut sortierte Büchersammlung definitiv zu empfehlen.
Eine Rezension von Kazuya > bayern
vom 19. Mai 2009
Kundenrezensionen:
23. Es wird immer Tragödien geben und daher hat "Antigone" kein Fünkchen an Aktualität verloren
22. Ein Muss!
21. Ein echtes Drama....!
20. Antiker Aufruhr in 50 Seiten (die aktuell angezeigte Rezension)
19. Der Antigone-Stoff in der Sophokles-Fassung - im günstigen Reclam
18. Klassiker
17. "Ungeheuer ist viel und nichts/Ungeheurer als der Mensch" (332f.).
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Sophokles: Antigone. LektüreschlüsselSophokles: Antigone. Lektüreschlüssel
Interpretationshilfe Deutsch: Interpretationshilfe...
Antigone. Erläuterungen und Dokumente
Antigone von Heaven Shall Burn (in Musik)
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)